Wie stabil ist die politische Mitte? Ole von Beust und Klaus Wowereit diskutieren | maischberger
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00:00 Bahn und Infrastruktur
07:50 Reformen und Regierungsarbeit
11:30 Umgang mit der AfD
13:50 Die Berliner Koalitionsfrage
18:10 Wohnungsmarkt und Enteignung
22:20 Amtszeit und Rückzug
Aus Sicht von Ole von Beust (CDU) sind die marode Infrastruktur und die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung wichtige Faktoren für den Erfolg der AfD. Es gebe eine „unglaubliche Proteststimmung bei den Menschen“, aus der sich die Partei unter anderem speise. Ein Teil der Wählerschaft sei rechtsradikal, sagt von Beust, ein großer Teil aber komme aus unterschiedlichen Protestmilieus. Das Gefühl, dass vieles nicht mehr so funktioniere wie früher, spiele dabei eine wichtige Rolle. Eigene Erfahrungen mit der Bahn hätten ihm gezeigt, wie schnell daraus Frust entstehen könne: „Ich hatte neugierige Termine in Frankfurt und habe insgesamt 6,5 Stunden gebraucht, da geht man schon innerlich auf die Palme.“ Klaus Wowereit (SPD) weist zugleich darauf hin, dass die deutsche Infrastruktur vernachlässigt worden sei. AfD-Kandidat Rausch sei zudem nicht überraschend zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt gewählt worden. Bei ihrem Wahlergebnis wäre es nicht ungewöhnlich, dass die Partei dieses Amt stelle. Eine Negativkoalition gegen die AfD hält Wowereit er für problematisch.
Im Umgang mit der AfD plädiert von Beust für eine stärkere Konzentration auf politische Inhalte statt auf Empörung über parlamentarische Verfahren. Die Partei dürfe man nicht wie ein „UFO“ behandeln; entscheidend sei vielmehr, wie man ihn begrenzen könne. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schließt er aus. Das Problem der Partei sei nicht, dass sie rechts sei, erklärt der frühere Hamburger Bürgermeister, sondern dass sie „völkisch“ und nationalistisch sei und Menschen danach bewerte, woher sie kämen. Einzelne Anträge könne man seiner Auffassung nach trotzdem unterstützen, wenn man sie inhaltlich für richtig halte. Wowereit verweist für den Umgang mit politischen Rändern ebenfalls auf konkrete Bedingungen. Bei einer möglichen Koalition von SPD, Grünen und Linken in Berlin müssten insbesondere ein eindeutiges Bekenntnis zum Existenzrecht Israels und ein überzeugender Kampf gegen Antisemitismus gewährleistet sein. Er fühle sich an seine Erfahrungen mit der damaligen PDS erinnert: Auch damals habe eine Zusammenarbeit nur unter der Bedingung einer klaren Auseinandersetzung mit dem DDR-Erbe und der DDR-Diktatur stattgefunden.
Auch bei den Reformen der Bundesregierung sehen beide Politiker politischen Handlungsbedarf. Von Beust zufolge müssten Einschnitte für die Bevölkerung mit einem eigenen Beitrag der Politik verbunden werden: „Ich kann nicht Wasser predigen und Wein saufen“, sagt er. Er halte Einsparungen unter anderem bei parlamentarischen Staatssekretären und Ministerialstäben für möglich. Wowereit warnt vor einer Verlagerung der Aufmerksamkeit auf symbolische Projekte. Entscheidend seien Reformen bei Rente und Pflege sowie ein schnelleres politisches Handeln, erklärt er. Mit Blick auf den Berliner Wohnungsmarkt bezeichnet er den Verkauf von 66.000 Wohnungen unter seiner Regierung als Fehler, lehnt heute einen Rückkauf beziehungsweise eine Vergesellschaftung für bis zu 30 Milliarden Euro aber ab. Das Geld solle aus seiner Sicht stattdessen in den Neubau fließen.
Die Sendung vom 07.10.2026 in der Mediathek:
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Außerdem zu Gast waren:
Moritz Schularick (Wirtschaftswissenschaftler)
Werner Sonne (Journalist und Autor)
Alev Doğan (The Pioneer)
Markus Feldenkirchen (Der Spiegel)
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