„Man muss auch vernünftigen Ideen zustimmen.“ – Ex-Hamburg-Bürgermeister Ole von Beust
Ole von Beust erinnert sich im Gespräch mit Alexander Marguier an seine Regierungszeit in einer Koalition mit der rechtspopulistischen Schill-Partei. Und natürlich zieht Hamburgs früherer Erster Bürgermeister daraus Rückschlüsse auf die Sinnhaftigkeit der „Brandmauer“ gegenüber der heutigen AfD.Inhalt Podcast:
06:39 "Ich meine, das ist schon skurril, die CDU propagiert eher den Zustand der 80er, 90er Jahre und die AfD einige von denen der 30er Jahre und nicht die Frage, wo wollen wir in zehn Jahren hin. Die SPD ist nebenbei auch nicht anders. Also wenn ich immer sehe, wie die krampfhaft an der Farbe Rot als Farbe des organisierten Arbeitertums und Klassenkampf festhalten, das sehr pittoresk, aber schon auch wieder grotesk auf der anderen Seite. Das passt auch nicht in die Zeit und ich glaube, man muss schon sagen, wo will man hin? Und wenn ich das alles wüsste, wo man hinwollte, wäre ich was, was immer, Gott immer. Aber diese Zustimmung, diese Idee zu entwickeln, wo wir in 10 Jahren hinwollen, muss dann nicht komplett sein, aber in ein paar Dingen. Und wir blicken in der Tat sehr zurück." (Ole von Beust)
09:51 "Eigentlich kann Merz doch nur Folgendes machen, wenn ich schon dieses Imageproblem habe, zu akzeptieren, dass es so ist. Und da muss ich sozusagen das schlechte Image, was ich vielleicht habe, zum Guten wenden. Und sagen, ich stelle mich in die Spitze von massiven Reform-Ideen. Aber dann nicht Reförmchen, sondern meinetwegen zurück zum Bierdeckel, und im Gesundheitssystem sagen, höhere Eigenverantwortung, zahlen nicht mehr die Kassen, die Leute zahlen erst mal selbst, holen es von der Kasse wieder, und damit einen Korrekturmechanismus einzubauen, sondern massiv sagen, was ich will. Und wenn dann die SPD nicht mitmacht, kann ich sagen, ich stehe für das andere, aber notgedrungen bin ich gezwungen, den Kompromiss zu machen, aber nicht gedanklich und verbal die Kompromisse schon zu antizipieren. Das ist ein gewisses Problem." (Ole von Beust)
20:10 "Zusammenarbeit heißt ja, ich muss mit denen eine gemeinsame Strategie besprechen. Inhalte festlegen und das mit Leuten, die zumindest zum Teil wirklich sehr nah an der Nazi-Ideologie sind, finde ich verdammt schwierig, mal so rum ausgedrückt. Was anderes wäre, wenn die bei bestimmten Dingen zustimmen, da würde ich mich nicht mehr schämen, sondern sagen, wenn die meinen Sachen zustimmen dann ist es so. Und wenn die eine vernünftige Idee haben, würde ich sagen, gut, dann kann man auch einer vernünftig Idee zustimmen. Aber keine strategische oder taktische Zusammenarbeit bis hin zur Koalition. Das halte ich für schwierig. Wenn es denen gelingt, einen Cut dazu zu machen bei diesem Rechtsradikalen, wäre es was anderes." (Ole von Beust)
26:49 "Ich sage nur, wenn der Großteil derbevölkerung hier das Gefühl hat, hier ist ein Bruch zwischen denen, die das Sagen haben, im weitesten Sinne, und uns – Das Grundgefühl gibt es immer, das ist mir schon klar. Aber das ist jetzt sehr stark – dann muss ich doch, wenn ich zu denen gehöre, die hier was machen wollen, sagen, wie kann ich mich selber in Haltung, in Sprache, in Art und Inhalt so ändern, dass dieses Misstrauen nicht noch genährt wird." (Ole von Beust) Receive SMS online on sms24.me
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