Berlin: SPD-Mitglieder fordern Stopp von Koalition mit Linken
Gut sechs Wochen nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus starten am Vormittag die Koalitionsverhandlungen zwischen der Linken, Grünen und SPD. Die Gespräche werden von einer Dacharbeitsgruppe aus Spitzenpolitikern der drei Parteien geführt. Hinzu kommen rund ein Dutzend Facharbeitsgruppen.Die Dreierverhandlungen dürften einige Wochen dauern, einen genauen Zeitplan gibt es nicht. Grundlage ist ein zwischen den drei Parteien erarbeitetes Sondierungspapier, das unter anderem die Vergesellschaftung der Wohnungsbestände großer Immobilienkonzerne in Berlin vorsieht. Ein Koalitionsvertrag könnte bis Dezember stehen, sicher ist das aber nicht. Am Ende entscheiden bei Linke und SPD die Parteimitglieder über das Regierungsprogramm. Die Grünen wollen ein sogenanntes digitales Meinungsbild bei ihren Mitgliedern einholen, das letzte Wort hat ein Parteitag.
In der SPD wachsen unterdessen die Vorbehalte gegen eine Zusammenarbeit mit der Linken. Fast 1.000 Sozialdemokraten haben einen Offenen Brief unterschrieben, in dem Zweifel an der Regierungsfähigkeit der Linken in Berlin angemeldet werden. Einer der Unterzeichner ist Verteidigungsminister Boris Pistorius. Er sagte im ZDF: "Eine Koalition mit den Linken in Berlin ist nicht das, was die SPD unterstützen sollte." Dies betreffe vor allem den Landesverband in Berlin. Pistorius attestierte der Linken in der Hauptstadt unter anderem ein "komplett gestörtes Verhältnis zu den Sicherheitsbehörden". Er kündigte Gespräche mit den Genossen in Berlin an.
Auch in der Berliner SPD selbst gibt es Vorbehalte. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, die den Offenen Brief auch unterschrieben hat, begründete im ARD-Morgenmagazin ihre Ablehnung. Giffey nannte vor allem den Umgang der Berliner Linken mit den Themen Antisemitismus und Organisierte Kriminalität.
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