Karl-Theodor zu Guttenberg und John Bolton über die Ergebnisse der US-Midterms | maischberger

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00:00 Über die Wahlniederlage der Republikaner
05:50 Vance gegen Trump
13:10 Impeachment und Machtkampf
16:10 Über Trumps Außenpolitik
21:50 Europas Rolle im Ukraine-Krieg

Die Niederlage der Republikaner bei den US-Zwischenwahlen sei vor allem eine Zurückweisung Donald Trumps, sagt Karl-Theodor zu Guttenberg. Der US-Präsident habe mit seiner Entscheidung, sich selbst zum Mittelpunkt des Wahlkampfs zu machen, einen „schweren strategischen Fehler begangen“. Es sei eine Wahl gegen Trump gewesen, nicht zwangsläufig eine Wahl für die Demokraten, betont der frühere Bundesverteidigungsminister. Diese müssten nun beweisen, dass sie über die Ablehnung des Präsidenten hinaus eigene politische Inhalte anbieten könnten.

Auch John Bolton, ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater unter Trump, sieht in dem Ergebnis der Midterms eine klare Absage an den Präsidenten. Boltons Einschätzung zufolge beginne damit das Ende von Trumps politischer Ära, die von ihm zusammengestellte MAGA-Koalition breche auseinander. Als erstes deutliches Zeichen dafür wertet Bolton die öffentliche Distanzierung von Vizepräsident J.D. Vance, der den Iran-Krieg als wesentlichen Grund für die Wahlniederlage benannt habe. Vance habe damit möglicherweise bereits seine Präsidentschaftskandidatur für 2028 eingeläutet. Zu Guttenberg hält ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump angesichts möglicher Veränderungen innerhalb der republikanischen Partei nicht mehr für ausgeschlossen.

Aus Boltons Sicht müssten sich die Demokraten vor allem mit den Erwartungen der Wähler beschäftigen. Korruptionsvorwürfe, Selbstbereicherung und mögliche Anhörungen gegen Trump könnten zwar eine Rolle spielen, entscheidend seien jedoch die politischen Antworten auf Fragen der Lebenshaltungskosten und Arbeitsplatzsicherheit: „Die Wähler wollen wissen, was habt ihr vor für die Zukunft? Nicht: Was macht ihr mit Donald Trump?“ Auch zu Guttenberg warnt davor, dass sich die Demokraten zu sehr auf die Aufarbeitung der Trump-Jahre konzentrierten.

Besonders kritisch beurteilt zu Guttenberg die Folgen für Europa und die Ukraine. Trump handle im Verhältnis zu Russland ausschließlich nach eigenen Interessen und sei „vollkommen transaktional“. Europa könne nicht darauf hoffen, dass die demokratische Mehrheit im Kongress eine verlässliche amerikanische Unterstützung sicherstelle. „Wir sind europäisch auf uns alleine gestellt“, sagt zu Guttenberg.

Bolton erwartet keine schnelle Lösung des Ukraine-Krieges. Wladimir Putin wolle das russische Reich wiederherstellen und betrachte die Ukraine deshalb als unverzichtbaren Bestandteil seiner geopolitischen Ambitionen. Ein Abkommen über den Kopf der Ukrainer hinweg könne für Trump dennoch eine Option sein, auch weil dieser vor allem an einem außenpolitischen Erfolg und dem Friedensnobelpreis interessiert sei, so Bolton.

Für den Nahen Osten sieht er ebenfalls erhebliche Unsicherheit. Trump habe bislang keine klare Strategie für den Umgang mit dem Iran entwickelt. Militärische Angriffe seien ebenso denkbar wie eine einseitige Erklärung des Sieges und ein anschließender Rückzug. Bolton hält einen dauerhaften Frieden in der Region letztlich nur für möglich, wenn das Regime in Teheran abgelöst werde. Karl-Theodor zu Guttenberg warnt unterdessen vor einer weiteren Eskalation, die auch in Deutschland spürbare Folgen haben könnte: Sollten sich die Kämpfe ausweiten und etwa die Huthi-Milizen sowie die Schifffahrt am Roten Meer einbezogen werden, seien steigende Energiepreise zu erwarten.

Die Sendung vom 04.11.2026 in der Mediathek:
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Außerdem zu Gast waren:

Franziska Giffey, SPD (Wirtschaftssenatorin Berlin)
Hannes Jaenicke (Schauspieler)
Beatrice Achterberg (Neue Zürcher Zeitung)
Markus Feldenkirchen (Der Spiegel)

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